C wie Casper, K wie Kater oder doch C wie Chaos?

Von der Ordnung

Für die Sache mit der Ordnung gibt es diverse kluge oder auch weniger kluge Sprüche, einer davon lautet: Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen, ein anderer: Nur das Genie überblickt das Chaos. Oder: Ordnung ist das halbe Leben. ôÔ?

Ablage

 

Ich ordne mich irgendwo zwischen dem absoluten Chaos und der absoluten Ordnung ein, was unter anderem daran liegt, dass mir Absolutismen nicht liegen. Außerdem erweckt übergoße ordnung in Wohnungen bei mir immer das Gefühl, mich am besten nicht hinzusetzen, nichts anzufassen und am allerbesten gar nicht erst anwesend zu sein, schließlich stört ja allein meine Anwesenheit die vorherige Ordnung. Hinterher ist da bestmmt eine Falte im Sessel oder das Kissen zerknautscht oder es steht gar ein Trinkgefäß dort, wo bis dato gähnende Leere herrschte.

Ich ziehe Wohnugen vor, in denen auch mal ein Stapel Zeitungen und sonstige Papiere irgendwo liegen, einfach mal etwas irgendwo da abgelegt wird, wo gerade Platz ist, kurz, Orte mit Kramecken. Macht auf mich auch den Eindruck einer tatsächlich bewohnten Wohnung und keiner, die allzeit bereit ist für den Besuch eines Fotografen für den nächsten Artikel in irgendeiner Design- oder Inneneinrichtungszeitung.

Ich liebe mein Chaos. Meistens. Und sobald es mir ernsthaft auf den Keks geht, beginnt die Aufräumaktion, die immer mit den schönsten Aha-Momenten einhergeht: ach daaaa bist du hingekommen! Oder: ach, das hab ich auch noch?

Problematisch wird das mit der Ordnung allerdings hinterher, wenn ich ein oder zwei Wochen nach der Aufräumaktion auf der Suche nach etwas bin, von dem ich vorher genau wusste: es lag in diesem Stapel. Gut, dann habe ich es abgeheftet.

Da ich zwischenzeitlich mein Ablagesytem verändert habe von thematischer Sortierung zu zeitlicher, aber noch nicht alle alten Ordner entsprechend angepasst, gestaltet sich die Suche (trotz vorhandener Ordnung!) schwieriger und zeitaufwendiger als vorher. Pardon. Aufwändiger. Von einem Ordner weiß ich inzwischen dank Ausschlussverfahren, dass er noch im Keller meiner Berliner Wohnung sein muss. Immerhin. Das Gute an den Unterlagen in den besagten Ordnern ist, das sie irgendwann obsolet werden und damit ohne großes Brimborium dem Recycling übergeben werden können. Gut Ding will Weile haben, das gilt damit auch für die Ordnung.

Ein weiterer Aspekt der Ordnung ist das Erledigen von Dingen, wahlweise in einer festgelegten Reihenfolge oder auch so, wie es eben gerade anfällt. Letztere Variante funktioniert einigermaßen in einem überschaubaren Raum, ich brauche dazu inzwischen Listen. Ich bin ein Fan von Listen, Listen auf Papier am liebsten, dann kann ich nämlich ganz deutlich die Dinge abhaken (buchstäblich), die bereits erledigt sind.

Zu diesen Listen führte der Umstand, dass ich seit 5 Jahren nicht mehr in einer überschaubaren Berliner 2-Zimmer Maisonette Wohnung wohne, die trotz ihrer nur knapp 50 m² so manches Mal einige Dinge gut versteckt hat, sondern auf einem 4-Seiten Hof mit 2500m² Grundfläche und zusätzlich, da alle Gebäude hier mehrstöckig sind, 400m² auf mehrere Gebäude und Stockwerke verteilte Wohn-und Nutzflächen. Plus Scheune. Plus dem alten Stall mit Garagen und Werkstätten und Lagerräumen.

Da geht es dann nicht nur darum, alle Dinge an ihrem platz zu haben, sondern auch darum, wann welche Arbeiten zu erledigen sind, damit Scheune, Stall und Stall und Haus noch ein Weilchen erhalten bleiben. Und dazu brauche ich dann Listen. Und für den Garten und den Anbau von Gemüse. Ok, dafür habe ich mir in diesem Jahr einen eigenen Kalender geschrieben, in dem alle (hoffentlich) wichtigen Termine vermerkt sind. Damit ich mich im Juli nicht wundern muss, warum noch keine Sonnenblumen zu sehen sind, nur als Beispiel.

Aber zurück zur Ordnung. Es gab eine ganz hervorragende Ordnung in der Werkstatt, von den Vorbesitzern übernommen. Diese Werkstatt war zu 90% eingerichtet und mit allen möglichen Dingen bestückt, deren Sinn und Zweck sich mir zum Teil bis heute nicht erschlossen hat, aber da alles damit seine Ordnung hat, bleiben sie eben da, wo sie sind. Vielleicht kann man es ja mal für irgendwas gebrauchen.

Es wäre auch einfacher, die Ordnung dort zu halten, wenn ich als einzige in dieser Werkstatt zugange wäre. Dem ist aber nicht so und leider bin ich die einzige, die weiß, wo was hingehört. Alle anderen nehmen die Dinge meist irgendwo weg, um sie dann aber dort nicht wieder hinzulegen oder – noch schlimmer – es kommen Dinge dazu, die ursprünglich ihren Platz woanders hatten. In den zwei Jahren der extremen Sanierungs-und Umbauphase war es am schlimmsten, inzwischen hat es sich einigermaßen eingepegelt und ich bin wieder zwischen dem absoluten Chaos und der absoluten Ordnung angekommen.

Den Stapel auf dem Bild da oben gibt es inzwischen nicht mehr, der liegt inzwischen neben mir (und ist viel kleiner geworden) und auch Casper kann sich dort nicht mehr ablegen (der ist viel größer geworden):

ablage2

Wenn Ordnung also das halbe Leben ist, dann bin ich wohl in der anderen Lebenshälfte unterwegs.

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