abgehakt √

Gähnende Leere durch zuviele mögliche erste Zeilen im Kopf. Super. Danke. Dann eben ohne schwungvolle Einleitung.

DSCI9410

Vor der erzählerischen Pause und meinem mehrmaligen Zusammenstoß mit Kafkas ‚Die Verwandlung‘ (dieses kleine reclam-Büchlein hat mich durch mindestens 2 Bundesländer und 2 Schulen in einem Abstand von 10 Jahren verfolgt) kam ein kurzer Ausflug in die Fanfiction – wnen man so will. Eigentlich wollte ich behaupten, fanfiction geschrieben zu haben, bevor es das Wort gab, wurde aber eines besseren belehrt:

The term „fan fiction“ has been attested in print as early as 1939,(…). Quelle und danke für den Hinweis, Isi

Na gut, dann eben nicht. Und zählen nicht eigentlich Neu-Erzählungen von Märchen in gewissem Sinne auch dazu? Aber um die geht es nicht, sondern um meine eigenen, ersten Versuche in der Richtung. Das erste derartige Werk erblickte 1980 rum das Licht der Welt als, *hüstel*, ‚Kampfstern Galactica‘ im Fernsehen lief. Können wir das unter Jugendsünden verbuchen? Ja? Danke. Immerhin gab es sogar ein oder zwei Zeichnungen in dem Text, die genaue Länge ist mir nicht in Erinnerung geblieben, geschweige denn der Inhalt und ich gehe davon aus, dass es sich nicht um einen Verlust für die Fangemeinde handelt.

(Dass meine sorgfältig nachgezeichneten Seiten von ‚Kimba, der Löwe‘ aus den 70ern nicht mehr da sind, betrachte ich eher als Verlust, jedenfalls für mich. Wäre sicherlich amüsant zu sehen, wie ich damals die bewegten Bilder in Comics umgesetzt hatte, aber ok, das mit Holzleim gebundenen Buch (DIN A 4 im Querformat)hat halt einen der zahlreichen Umzüge in meinem Leben nicht mitgemacht.)

Back2topic. Der nächste Versuch war an ‚Blade Runner‘ angelehnt und entstand nach meiner Rückkehr aus den USA 1984. Auch dieses Werk ist nicht erhalten geblieben, es sei mit derselben Wertung wie das zuerst erwähnte zu betrachten.

Die anfangs erwähnte lange Pause fand ein Ende irgendwann Ende der 80er oder Anfang der 90er, ganz genau weiß ich es nicht mehr. An das ‚wie‘ dagegen schon. Mein inzwischen Ex-Freund schleppte von draußen irgendwoher ein ziemlich altes Faxgerät an. Irgendwo in meinen ganzen Negativen muss davon auch noch eins mit dem Ding herumliegen. Es war grün. Es war groß. Sah aus wie eine überdimensionierte Schreibmaschine auf einem Gestell, es war – laut. Sehr laut. Auf diesem lärmenden Ding schrieb ich dann eine ziemlich düstere Geschichte (ah, es war Ende der 80er, vor dem Mauerfall, die kam nämlich noch darin vor und die stillgelegten U-Bahnhöfe, die hatten mich ganz besonders beeindruckt), in der eben diese U-Bahnhöfe die Endstation für alle nicht-erwünschten Personen darstellten. Den Text habe ich auch noch in irgendeinem Ordner, ist aber auch ein ganz klares Beispiel dafür, wie man besser nicht schreibt. Mir war’s egal, ich hatte meinen Spaß daran, war aber auch nicht böse, als das laute, große Ding irgendwann endültig auf dem Schrott landete und die Geschichtenerzählerei wieder ene Pause einlegte.

Ich lege heute keine ein (aber vielleicht bekommt mein Blog irgendwann mal Geschäftszeiten) und springe stattdessen 15 Jahre weiter. Zu dem Zeitpunkt hatten Computer und Tintenstrahler Einzug gehalten und das Schreiben aller Art gestaltete sich deutlich leiser und vor allem verschwand die zeitbasierte Abrechung von online-Zeit aus den Rechnungen. In den Weiten des WWW stolperte ich auf der Suche nach etwas anderem über eine Seite, die sich Inkslingers nannte, ein Forum von Autoren. Mit Schreibübungen und allem, was man sich so wünschen kann als angehender Autor (oder jemand, der einfach Spaß am Schreiben hat und sich gerne darüber austauscht. Was nicht immer so einfach ist, aber dazu später noch einmal.)

Dort erfuhr ich von NaNoWriMo National Novel Writing Month und meldete mich recht kurz entschlossen 2 Tage vor Beginn an. Kurze Erläuterung: NaNo dient dazu, all diejenigen, die schon immer mal einen Roman schreiben wollten, aber aus ungezählten Gründen noch nicht dazu gekommen sind, eine Plattform, die dabei helfen kann, diesem Traum ein Stückchen näher auf die Pelle zu rücken. Damals gab es noch kein Forum wie heute, dafür aber regelmäßige Peptalks (Aufmunterungsmails) und die Gewissheit, nicht die einzige zu sein, die binnen 30 Tagen 50.000 Wörter in einer zusammenhängenden Geschichte zu schreiben. Zu Beginn hatte ich einen Titel ‚Universe next Door‘ und ein paar recht vage Ideen.

Eine meiner interessantesten Erfahrungen beim Schreiben war: Charaktere entwickeln in den Geschichten  ihren eigenen Kopf und veranstalten Dinge, bei denen man sich als Autor nur am Kopf kratzen kann und sagen: Ok und nu? Wie soll das jetzt deiner Ansicht nach weitergehen?

Auf diese Frage erntet man meist ein gleichgültiges Achselzucken und den Kommentar: Lass dir was einfallen, du bist schließlich der Autor.

Na, vielen Dank auch.

Ich hatte damals das Glück, mich mit meinem Ex darüber austauschen zu könne. Vielleicht war es auch eher ein Monolog, ich hab ihm mein Leid geklagt und er hat zugehört. Andere können Pech mit dem Austausch haben:

„Wie du schreibst? Man kann doch nicht einfach so ein Buch schreiben.“

„Und was machst du dann mit dem Buch? Bringst du das in einen Buchladen? Darf man das überhaupt?“

Quelle  von Fee-Chan.

oder

Und dass man schreibt, ist auch für viele nichts wert, wenn man es nur als Hobby betreibt. Weil sie meinen, man müsste damit ja Geld verdienen, damit es keine Zeitverschwendung ist. Aber wenn man in einem Fußballverein ist oder ein Instrument spielt, ist es ok, wenn man kein Profifußballer oder nicht in einer Band ist.

Die Logik soll mal einer verstehen.

Quelle von Lady Sonea

und weitere ähnliche Kommentare.  Als geballte Ladung sind sie herrlich amüsant zu lesen, in der jeweiligen Situation vermutlich weniger komisch. Was aber noch keinen vom Schreiben abgehalten hat, schätze ich. Jedenfalls nicht diejenigen, die sich mit schönster Regelmäßigkeit einmal im Jahr im Forum treffen, um alle Facetten des Schreibens einmal wieder in großer Gemeinschaft auszukosten.

‚Universe next Door‘ wurde jedenfalls fertig und dient mir heute ab und an dazu, mich wieder daran zu erinnern, wie man NICHT schreibt (und das eine gewisse Art der Formatierung unglaublich hilfreich sein kann, wenn es darum geht, eine Aussage einem bestimmten Sprecher zuzuordnen. Auch wenn es NaNo ist und man es eilig hat).

Es folgen wieder 6 Jahre Pause, zwischendrin schrieb ich mene Diplomarbeit mit ähnlich viel Planung wie besagte Geschichte. Die wurde auch rechtzeitig fertig und bekam eine 2, nur mal an Rande bemerkt.

2011 fiel mir NaNo wieder ein; ich suchte und staunte über die Entwicklung der vergangenen 10 Jahre auf der Seite. Meldete mich wieder an, begann die nächste Geschichte mit ähnlicher Vorbereitung (diesmal hatte ich den ersten Satz) und bin seitdem regelmäßig dabei.

Aber: langsam nähern sich meine Geschichten tatsächlich dem, was ich von einer Geschichte erwarten würde (jedenfalls in Teilen) und gaaanz langsam komme ich an den Punkt, doch mal ein bisschen mehr Planung vorhergehen zu lassen als in den vergangenen Jahren. Einfach drauflosschreiben macht riesigen Spaß, zu sehen, wie sich Charaktere entwickeln, von irgendwoher neue dazu kommen, welche Irrungen und Wirrungen der Plot nehmen kann.

Besonders schön sind auch die Momente, die einer gähnenden Leere beim Schreiben folgen – wenn plötzlich in irgendeiner ganz anderen Situation das AHA-Erlebnis kommt: ja klar, so geht es weiter!

Da sich aber diverse meiner bisherigen Geschichten irgendwann verirrt haben oder ich feststellen musste, dass sich bestimmte Dinge ohne ein bisschen vorhergehende Planung oder auch Recherche schlicht nicht so auf’s Papier bringen lassen wie gedacht, steht in diesem Jahr zum ersten mal die Planung an. Zu Übungszwecken nehme ich eine fertige Geschichte, die mir persönlich ganz gut gefällt, die so aber auf keinen Fall reif ist für eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit und werde mal sehen, wie sie sich unter Laborbedingungen verändern lässt.

Warum ich also überhaupt schreibe? Nicht mit der Absicht, irgendwann Geld zu verdienen. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht.

😉

 

 

 

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