Ich packe meinen Koffer.

Nein. Eigentlich packte Seppo meinen Koffer, ich hab dann alles in meinen Rucksack umgepackt und mich, wie angewiesen, auf Reisen begeben. Was dahintersteckt, steht hier: Seppo Blog Auszeichnung Runde 3

rucksack

Und was mir auf meiner Reise so zugestossen ist, steht hier

Ich packe meinen Koffer. naja, ich packe meinen Rucksack. Den da oben im Bild, mit dem bin ich (fast) immer auf Reisen. Das Äußere täuscht, es passt viel mehr rein, als man meinen könnte und das trifft sich auch ganz gut, denn dank Seppo muss ich jede Menge Kram mitschleppen, deren Nützlichkeit sich erst noch erweisen wird. ————— [die Zeichen stammen von Casper und bleiben]. Den Zylinder setz ich mir gleich auf, ich mag Hüte, und eigentlich wollte ich schon immer einen haben. Danke. Eine gründliche Recherche in der stupipedia ergab, dass eigentlich niemand eine wirklich genaue Vorstellung der aktuellen Form des volleyball-Schlägers hat, was eindeutig daran bewiesen wird, dass es keine Abbildung davon gibt.

Stupipedia

Deswegen habe ich hier wohl eine neuere Form erwischt (und es gibt doch eine Evolution bei Gegenständen). Ich wünschte nur, er würde endlich damit aufhören, abwechselnd die Hände zu spreizen bzw. zu Fäusten zu ballen, ich mag es nicht, wenn man mich dauernd in den Rücken boxt. Eigentlich habe ich ihn für entspannende Massagen unterwegs eingepackt, naja, vielleicht lernt er es noch.

Die Tür ist ganz praktisch, mit der konnte ich mein Problem lösen, wie ich meine Reise ins ‚Universe next Door‘ antreten konnte, ohne vorher nach Berlin zu fahren. Da will ich nämlich hin. Universe next Door gibt es inzwischen in 2 noch unveröffentlichten Bänden (plus einen angefangenen dritten) die aber auch nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. Der erste Band ist ein ganz klarer Fall von: wie schreibe ich keinen Roman (und außerdem sind Absätze manchmal echt hilfreich).

Schad aber nix, es ist ein Ort, an dem sich nebst anderen skurrilen Gestalten auch diverse Wermenschen/tiere tummeln und entstand aus einem Satz in einem Buch. Vielleicht aber auch nur, weil laufend irgendwas quantenartiges passiert und bei jeder möglichen Entscheidung zahllose Universen entstehen. Jedenfalls kurzfristig für den Moment der Entscheidung. Vielleicht auch nicht. Bevor das nicht endgültig wissenschaftlich bewiesen (oder widerlegt wurde) halte ich es mit meinem Universe next door wie mit Schrödingers Katze. Bevor ich nicht da bin, weiß ich nicht, ob es eins gibt, oder nicht. Da diese Tür nur in diesem Moment der Geschichte existiert, ist es jetzt jedenfalls da. Ähm.

Wo war ich? Achja. Im Roman jedenfalls muss der Übergang an bestimmten Orten stattfinden (warum, hab ich vergessen, hatte wohl irgendwas mit der Dramatik zu tun), mit der Tür ist der Zugang nach überallhin von überallher möglich.

De Duftkerze Marke Vanille nehme ich mit, um sie schnellstmöglich wieder loszuwerden, ein Geschenk von der Sorte, bei dem man sich höflich bedankt und sofort an eine Möglichkeit denkt, wie man es unbemerkt verschwinden lassen kann. Praktisch. Im Universum nebenan wird sie keiner vermuten.

Die Landkarte von Tasmanien dient wahlweise als Waffe (gegen Mücken), als Fernrohr oder als Hörrohr und wer weiß, vielleicht unterläuft mir ja beim Einstieg in das Universum nebenan ein fehle rund ich lande just dort. Bei einer Bevölkerungsdichte von 7,53 EW/km² ist es ganz praktisch zu wissen, in welcher Richtung ich dann den nächsten Ort finde. Sollte mir unterwegs der tasmanische Teufel begegnen, kommt wieder Verwendung A ins Spiel und ich hau ihm auf die Nase. Ja ok ok ok, ganz vorsichtig. Vielleicht zieh ich ihm auch ein Kaninchen aus meinem Zylinder. Besser? gut, dann eben das.

Den Nasenhaartrimmer schenk ich Wolf, einem mir bekannten Werwolf im Universum nebenan, ich denke, der kann den brauchen.

Das Kästchen – hah. das Enthält eine sich immer wieder selbst auffüllende Seifenblasendose. Ich hatte ja gehofft, damit Charlie Chaplin überraschen zu können, aber Pustefix – ähm Pustekuchen, die Dinger sind schon seit 500 Jahren als Spielzeug in Gebrauch. Es gibt aber auch nichts neues mehr unter der Sonne. Ich nehme sie trotzdem mit.

Enjoy the little things.

Und was ich noch mitnehme,, darüber muss ich jetzt eine Nacht schlafen, immerhin habe ich ja noch 25 Stunden Zeit, bevor ich meine Reise beendet haben sollte.

Gute Nacht für heute.

-14, 25 Stunden

Fragt ihr euch bei manchen Dingen auch, wie jemand jemals auf die Idee kommen konnte, sie herzustellen?  (Von all den Dingen abgesehen, die mal jemand gegessen hat, um den Hunger zu stillen und damit  manchmal (vor allem bei Pilzen) eher das Leben gestillt – sprich beendet – hat)). Ich ja. Bei vielen Dingen. Immer dann, wenn ich mich frage, wie man so etwas grundsätzlich eigentlich macht. Zum Beispiel Seife. Oder Bier. Metalle. Holzkohle. Kerzen. Von den modernen Errungenschaften einmal ganz abgesehen. Aber das nur am Rande. Es regnet und ich hätte mir wirklich besseres Wetter für meine Reise gewünscht, aber die Zeit drängt. Als letztes packe ich noch meinen universal-Übersetzer ein, ich traue der Tür nicht so ganz zu, mich tatsächlich da abzusetzen, wo ich hinwill. Man weiß ja nie.

-14 Stunden.

Regenjacke an und raus. Die Tür lehne ich ans hintere Gartentor, versetze mich gedanklich in mein Universum nebenan und mache sie auf. Nichts zu sehen. Einmal tief Luft holen, ein Stoßgebet an wer auch immer zuständig ist für Reisende zwischen den Welten und einen großen Schritt nach vorne machen. Die Tür fällt hinter mir zu, mir wirbeln 1000 Dinge durch den Kopf – und vor meinen Augen, ich mache die Augen zu, weil mir schwindelig wird und als nächstes – wird mir ziemlich warm.

Und es ist deutlich heller, das nehme ich sogar mit geschlossenen Augen wahr.

Augen auf und ähm

Das ist definitiv nicht Berlin. Nicht einmal vor vielen vielen Jahren. Soweit ich mich recht erinnere, war es hier nie so heiß. Und auch nicht so trocken. Und Berge gab es hier definitiv auch nicht. Nicht einmal vor der Eiszeit. Ich drehe mich einmal im Kreis um festzustellen, dass die Tür leider nicht mehr hinter mir steht. In meinem Rucksack ist sie auch nicht Na toll. Und wie komme ich jetzt wieder zurück? Ich hab ja nicht mal gefrühstückt…

Also wo zum Teufel bin ich? Ich wünschte mir, ich hätte meine Sonnenbrille eingesteckt, aber leider war ja die Anzahl der Dinge, die man zusätzlich mitnehmen durfte, beschränkt. und ganz ehrlich, ich wäre im Traum nicht darauf gekommen, an so einem Regentag meine Sonnenbrille einzupacken. Oder – eine Flasche Wasser. Dabei habe ich die sonst immer dabei. Leise fluchend mache ich mich auf den Weg irgendwohin, abwärts jedenfalls.

– 12 Stunden.

Die Regenjacke habe ich längst im Rucksack verstaut, ebenso meinen Pullover und bin froh, den Zylinder dabei zu haben. Der schützt mich doch etwas vor der brennenden Sonne. Moment. Ich nehme den Zylinder ab, starre ihn an. Ob es wohl tatsächlich klappt? Ob er statt Kaninchen auch anderes hergeben kann? Ich schließe die Augen und stelle mir bildlich eine Flasche Wasser vor. Greife hinein und spüre unter meinen Fingern etwas definitiv nicht fellartiges, eher glatt und – kühl. Ich greife zu und heraus kommt eine Wasserflasche. PET. In Kaninchenform. Egal

Wasser ist Wasser, egal, welche Form es annimmt. In diesem Fall verzichte ich auch auf die Überlegungen von Bruce Lee zum Thema: Wasser.  Ihr wisst schon: “Empty your mind, be formless, shapeless – like water. Now you put water into a cup, it becomes the cup, you put water into a bottle, it becomes the bottle, you put it in a teapot, it becomes the teapot. Now water can flow or it can crash. Be water, my friend.” Ich weiß ja, worum es geht, aber wörtlich genommen, wäre da Wasser nun ein Kaninchen und das kann ich derzeit nicht gebrauchen.

– 10 Stunden.

Der Zylinder hat mir – ich brauchte zwei weitere Wasserkaninchen, bevor ich endlich auf die Idee kam – auch ein Frühstück serviert, das mit dem Kaffee hat allerdings nicht geklappt, ich hab in Gedenken die Tasse vergessen und nun verweigert er mir aktuell, nach Kaffee duftend, seinen Dienst. In der Ferne sehe ich endlich etwas anderes als Sand und – Sand. Ich sehe sich bewegende Gestalten. Menschen. Aber Entfernungen sind trügerisch und

-8 Stunden

– ich werde angestarrt. und starre zurück.

Offensichtlich habe ich Bauern bei der Arbeit angetroffen. Die Vielzahl an landwirtschaftlichem Handwerkzeug, das mich gerade ebenfalls anstarrt, deutet daraufhin. Im Hintergrund stehen irgendwelche Rindviecher, die mich allerdings kaum eines Blickes würdigen, sondern weiter wiederkäuen. Die Menschen vor mir tragen – Röcke. Oder so etwas in der Art. Es sieht so aus, als wäre man gerade dabei, Bewässerungskanäle anzulegen. Ich spüre die Sonne auf meinem Nacken und muss an Rincewind in dem australien-ähnlichen Lost continent denken und daran, wie unbeliebt er sich mit des Deutschen liebsten Themas gemacht hat (einer Studie zufolge jedenfalls) – dem Wetter. Und beschließe daher, nicht mit solchen Worten wie: mal wiedr schönes Wetter heute, nicht wahr? meine Unterhaltung zu beginnen.

Ganz zu schwiegen davon, dass ich nicht weiß, wie sich das Konzept des schönen Wetters in eine Sprache übertragen lässt, die wie folgt transkribiert wurde:

Inana Herrin-Land-Land-GENITIV Herrin-seiner-[DATIV](…)

Quelle: wikipedia

Oder ob sie überhaupt von Wetter sprechen. Ganz vorsichtig hole ich meinen Rucksack hervor und beginne, darin zu kramen. Als erstes fällt mir der H&M Katalog in die Hände, den ich achtlos beiseite werfe, was soll ich jetzt mit der aktuellen Herbstmode? Nach längerem kramen finde ich endlich das Gesuchte, meinen Universal-Translator, hole ihn hervor und schalte ihn ein.

Oh.

Warum sagte mir niemand, dass das Ding einen INTERNETANSCHLUSS braucht?

Es blinkt: kein Netz. Ach was.

Fluchend stopfe ich das Ding wieder weg und krame weiter, mehr auf der Suche nach Inspiration als nach etwas anderem Da ergreife ich Seppos Kästchen. Mit der sich immer wieder selbstauffüllenden Seifenblasenflasche. Hm. Den Sumerern wird als ersten das Seifenkochen zu geschrieben. Den Klebstoff haben sie anscheinend auch entdeckt. Wie sie darauf wohl gekommen sind? Ich beschließe, es ähnlich zu machen wie die – Besetzer Südamerikas, mein Kästchen also als Geschenk anzubieten, genauer gesagt den Inhalt. Im Hintergrund vernehme ich ein Murmeln, als ich kurz aufblicke, sehe ich einige Sumerer wieder an ihre Arbeit zurückkehren, eine kleinere Gruppe von 5 Leuten kommt langsam näher. Ich werde laut und deutlich, aber leider völlig unverständlich angesprochen. Ich nicke freundlich, lächele und bekomme endlich das Kästchen geöffnet. Während das Holzkästchen noch einigermaßen harmonisch in dieser Umgebung aussah, wirkt das bunte Fläschchen mit dem gelben Pustefixbären beinahe schrill, grell und laut. Ich werde noch einmal angesprochen und winke beschwichtigend mit dem Seifenblasendöschen. Sie zucken zusammen, möglicherweise der Farben wegen. Ich schraube vorsichtig den Deckel ab, und puste einmal durch den kleinen Ring, die ersten Seifenblasen sind wie immer klein und platzen beinahe sofort, aber nach zwei, drei Versuchen gelingen mir ein paar wirklich schöne große Seifenblasen. Die Menschen, alles Männer, wie ich bei nochmaligem hinsehen feststelle, erstarren.

Einer wirft begehrliche Blicke auf das Holzkästchen. ich sehe mich  noch einmal um, in diesem Land gibt und gab es tatsächlich – im Gegensatz zu anderen Ländern dieser Erde – kaum Holz.

Und da beschleicht mich ein Verdacht, wo meine Tür sein könnte.

Zum dritten Mal werde ich angesprochen, langsam klingt es etwas gereizt. Da es vermutlich ziemlich egal ist, was ich sage, stelle ich mich einfach vor und ergänze: ich bin nur auf der Durchreise.

Nuun. Was immer ich auch gesagt habe, bzw. was auch immer daraus – interpretiert wurde, die Männer schreien erschrocken auf, werfen ihre Werkzeuge weg und laufen. Laut schreiend, die anderen lassen sich offensichtlich anstecken und rennen ebenfalls. Ich halte es für eine gute Idee ihnen nachzulaufen, in der Hoffnung, dass sie mich zu ihrem Ort führen. Ich vermute nämlich, meine Tür und ich gingen getrennter Wege und wenn jemand in einem baumlosen Land so ein wunderbares Stück Holz findet, wird er es sicherlich mitnehmen. Wer weiß, vielleicht gab diese Tür den Anstoss zu – einer Tür? Statt Vorhängen? Aus den landestypischen Materialien Lehm lassen sich eben schlecht Türen bauen, ich gehe davon au, dass man hier eben mit Schilfmatten oder gegerbten Häuten seine Häuser verschließt. Vieleicht wird sie aber auch ein Tisch. Oder ein Dach. Oder was auch immer. Ich hätte sie jedenfalls ganz gerne zurück. Oder wenigstens de Möglichkeit, einmal durchzugehen. Würde ich ja reichen, danach dürft ihr sie gerne behalten. Ehrlich. Vielleicht hätte ich doch sagen sollen: ich komme in Frieden. Wobei – wer weiß, was das dann wieder bewirkt hätte.

Ich kann nicht wirklich Schritt halten, Langstreckenlauf war noch nie meine besondere Stärke, aber es ist kein Problem, den Spuren im Sand zu folgen, und

-7 Stunden

kann ich endlich eine Ortschaft sehen. Nach allem, was ich jetzt – nachträglich – über Sumer weiß (es lebe Wikipedia, also mal ehrlich, die englisch-sprachige Fassung ist auch um einiges umfangreicher als die deutsche – zu Sumer jedenfalls) wurden die Häuser eben aus Ziegeln gebaut, ohne irgendeine Art von Mörtel und immer wieder eingerissen und neugebaut, wodurch nach und nach künstliche Hügel entstanden. Diese Ortschaft liegt noch flach in der ebene, ist also wohl ziemlich neu. Und nicht besonders groß. Gut. Sollte es einfacher machen, meine Tür wiederzufinden.

Ich bleibe stehen, wische mir den Schweiß von der Stirn und greife hoffnungsvoll wieder in meinen Zylinder. Ah. Anscheinend hat er mir das Kaffeebad verziehen, wieder kommt eine Wasserkaninchenflasche zum Vorschein.

In meinem Inneren hege ich die dunkle Hoffnung, vielleicht im Extremfall auch meine Tür aus diesem Zylinder ziehen zu können, aber spare mir das für den Moment der Verzweiflung auf, für den Moment, in dem die Zeit fast abgelaufen ist und die Tür sich bis dahin auf anderem Wege nicht wieder auftreiben ließ. Schließlich habe ich ja noch die nächste Aufgabe zu erfüllen, nämlich das verdammte Holzkästchen samt Inhalt zu überreichen und dem Menschen, dem ich sie überreiche, zu erklären, warum ich das tue. Letzteres könnte schwieriger werden als erwartet.

Als ich noch näher komme, sehe ich auf einem freien Platz in der Mitte des Orts – des Dorfes, eigentlich, eine größere Gruppe von Menschen versammelt, noch näher sehe ich sie gestikulieren und – in meine Richtung deuten. Noch nähe und ich höre lautes Reden, was mir nach wie vor völlig unverständlich bleibt.

Ich nähere mich langsam,, wedele immer wieder mit meinen Seifenblasen, um zu zeigen, dass ich wirklich harmlos bin. Ehrlich. Größtenteils harmlos.

Nein, bestimmt harmlos.

Da man mich anstarrt, weiterhin laut diskutiert, aber niemand Anstalten macht, sich mir zu nähern, beschließe ich, mir einfach das Dorf anzusehen, in der Hoffnung, irgendwo meine Tür zu finden. Oh. Also auch im alten Sumer gab es bereits Türen. Na prima. freut mich für euch, wie auch immer ihr das allein rein logistisch bewerkstelligt habt, ich sehe weit und breit keinen einzigen Baum. Hilft nichts, ich werde wohl jede einzelne Tür genauer ansehen müssen, schließlich ist meine Tür zumindest deutlich neuer als die hiesigen.

– 6 Stunden,

das Dorf ist größer als gedacht, stehe ich endlich vor meiner Tür. Ganz unverkennbar. Ok, ein paar Kratzer sind neu, aber was soll’s, die sollten ihrem Gebrauch keinen Abbruch tun. Nun stehe ich nur immer noch vor dem Problem mit dem blöden Kästchen. Ah

Moment. Ich soll das Kästchen übergeben und erklären. Es stand nicht zwingend dabei, dass ich auch verstanden werden muss. Ok. Wer von den sich immer noch lauthals Unterhaltenden hat wohl das Kästchen samt Inhalt verdient? Am besten derjenige – oder meinetwegen auch diejenige, die nicht wegrennt, sobald ich auch nur ein Wort von mir gebe,. Sicher, dass ich meine Tür wiederfinden werde, bzw. das Haus, an dem sie jetzt angebaut ist, drehe ich ihr den Rücken zu und setze mich Richtung Platz in Bewegung. Hinter mir knarrt es und ich drehe mich wieder um. heraus kommt ein kleines Mädchen, an dessen Rockzipfel noch ein kleineres Kind unbestimmbaren Geschlechts zupft. Sie schiebt das Kind hinter sich um bewegt sich zögernd auf mich zu. Ich gehe in die Hocke, lächele und warte. Die Kleine legt den Kopf schief, lächelt etwas unsicher zurück und macht noch ein paar zögernde Schritte auf mich zu. Ganz langsam, um sich nicht zu verschrecken, nehme ich das Kästchen wieder hervor, öffne es und nehme die Flasche heraus. jaja, die sich immer wieder selbstfüllende Seifenblasenflasche. Hätte mir ja echt was kürzeres ausdenken könne,. Sowas wie ‚Ei‘ zum Beispiel. Aber wem sollte ich schon aus welchen Gründen auch immer ein Ei geben? Ein Drachenei vielleicht? aber das wäre wieder eine andere Geschichte, in einem, anderen Universum nebendran. Oder auch zwei oder drei Universen weiter. Egal. ich öffne also besagte Flasche und produziere ein paar Seifenblasen. Die Kleine steht stocksteif da, auf einmal lacht sie und klatscht in die Hände. Ich mache noch ein paar Seifenblasen und reiche ihr dann ganz vorsichtig den Puster. Ihre ersten Versuche sind nicht von Erfolg gekrönt, sie pustet zu heftig, also puste ich ganz sachte. Schließlich gelingt es ihr, die ersten Seifenblasen fliegen und sie lacht, begeistert.

Nun kommt der Moment, den ich seit meinen ersten Worten fürchte, aber es hilft nichts. Ich zeige auf mich und sage: Karin. Sie zuckt zusammen, und streckt wie abwehrend ihre Hände vor sich. Ich lächele noch einmal, zeige wieder auf mich. Karin.

Sie stutzt, zeigt auf sich: Darya.

Fein. Wir haben unsere Namen ausgetauscht. Bis wir soweit sind, der eigentlichen Sache dessen auf den Grund zu gehen, warum ich hier bin, – das könnte etwas mehr Arbeit erfordern. Ich spüre, wie mir langsam die Zeit davon rennt. Also fange ich einfach an.

‚Du wirst mich vermutlich nicht verstehen, aber das hat auch niemand verlangt. Ich bin – auf Wegen, die schon in unserer Zeit kaum jemand nachvollziehen können wird, damit beauftragt worden, dieses Kästchen mitsamt seinem Inhalt einem Menschen zu geben, der – oder in deinem Falle – die es verdient hat. Nun, ich bin der Meinung, jemand so neugieriges und eigentlich unerschrockenes wie du hat tatsächlich etwas verdient und daher schenke ich dir das Kästchen mit der sich immer wieder selbstfüllenden Seifenblasenflasche. Ich hoffe, du hast viel Spaß mit den schönen, wenn auch vergänglichen Seifenblasen. Ach ja, und ganz abgesehen davon – man kann damit auch Hände oder Wäsche waschen. Trinken solltest du es allerdings nicht.‘

Im Hintergrund höre ich, wie die aufgeregten Stimmen näher kommen, eigentlich ein Wunder, dass sich vorher niemand um mich gekümmert hat, aber so ist das eben. Sie zuckt wieder zusammen, ich lege das Kästchen vor ihr auf dem Boden und zeige ihr, wie sie den Schraubdeckel schrauben kann, damit die Flasche  zubleibt. Sie lacht, latscht in die Hände und lächelt zu mir auf. Ich hole tief Luft, zeige auf ihre Tür und mache ein paar Schritte in ihre Richtung. Sie zögert, dann lächelt sie und nimmt meine Hand, zieht mich regelrecht den Weg zum Haus entlang. Die Stimmen hinter mir werden lauter, wir wurden gesehen. Darya erschreckt, lässt mich los und dreht sich um, ruft etwas mir unverständliches, nur meinen Namen kann ich heraushören. Auf einmal kreischt eine Frau auf und rennt los, wild mit den Armen fuchtelnd. Ich ziehe es vor, nicht darauf zu warten, was sie mir – wie auch immer mitteeilen möchte, rufe nur: Lebe wohl, Darya! und renne zum Haus. Zur Tür. Und bitte darum, dass sie ich wieder zurückbringt. Male mir ganz fest mein Gartentor aus, den Regen, die Kälte, den dahinterliegenden Garten, ich nähme jetzt sogar einen Sturzregen, Hauptsache wieder zurück! Ich greife nach der Klinke, schließe die Augen und öffne die Tür. Und trete hindurch – und werde nass. So richtig. Meinem Wunsch wurde entsprochen, mich empfängt ein wahrer Wolkenbruch. Aber dahinter liegt mein Garten. Ich bin wieder zuhause.

Die Tür ist – nicht hier. Worüber ich ganz froh bin. Auch der Zylinder sitzt nicht mehr auf meinem Kopf, Schade. Der war – erstens ganz schmuck und zweitens ganz praktisch. Ich frage mich, ob ich ihn wohl auf meiner Flucht vor der aufgebrachten Meute verloren habe, aber ändern kann ich es eh nicht.

Eine schöne Tasse Kaffee oder zwei sind jetzt genau das, was mich wieder aufbauen wird.

In Zukunft werde ich mir genau überlegen, welche weiteren Aufgaben ich annehme. Wahrscheinlich. Mal sehen. vielleicht.

Nachtrag: neuere Ausgrabungen förderten eine Reihe sumerischer Bildmosaike zutage, die statt der damals üblichen Bekleidung eine Reihe eindeutig als hosenförmig erkennbarer Objekte zeigen, eine Übersetzung der Keilschrift wiederholt immer wieder die Buchstaben H und M…

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Ich packe meinen Koffer.

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