Otherland

Vor nunmehr etwas über 5 Jahren verließ ich Berlin, um mir kurz vor der Grenze von Sachsen-Anhalt im brandenburgischen Hohen Fläming (Wahlspruch Land Brandenburg: Neue Perspektiven entdecken!) eine neue Heimat in Lehnsdorf zu suchen. Anfangs habe ich Berlin noch sehr vermisst, mittlerweile hat sich das gelegt. Was ich allerdings nach wie vor vermisse, ist das Otherland.

otherland

Das Otherland ist ein Bücherladen. Aber nicht einfach irgendein Bücherladen. Das Otherland ist daran schuld, dass ich nicht nur viele Bücher aus den Genres Sci-Fi und Fantasy habe, sondern auch schon diverse Kisten davon an ‚Rettet Bücher‘ abgetreten habe. Liest sich nicht nett? Nun, eher das Gegenteil. Ich lese sehr schnell und auch, wenn ich genug Bücher mehr als einmal lese – wie Sir Terry sagte: Ein Buch noch einmal zu lesen, ist wie einen guten Freund zu besuchen – gibt es doch Bücher, die ich nicht zu meinen gten Freunden zähle. Da es aber durchaus andere Menschen gibt, die sich mit diesen Büchern anfreunden könnten – und sich der Verkauf von Büchern auf Flohmärkten als mühsames (Bücherkisten sind schwer!) Geschäft erwiesen hat, ich eigentlich keine Bücher wegwerfen mag, ist Rettet Bücher eine prima Alternative.

Warum das Otherland daran ’schuld‘ ist? Weil ich jahrelang sehr regeläßig, wann immer es das Budegt erlaubte, dort eingekauft habe. Am liebsten 2nd Hand (mehr Bücher pro Euro), aber auch durchaus Neues. Und in den letzten Jahren verstärkt englischsprachige TBs, erstens sind die oft günstiger (da in den Übersetzungen aus einem Buch gerne zwei werden) und zweitens gehen (imho) in der Übersetzung gerade Wortspiele oft genug verloren.

Ich kenne das Otherland von Anfang an, als es noch UFO hieß. Es wurde, wenn ich mich recht erinnere, umgetauft, weil viele angehende Leser nach Büchern aus dem Esoterik-Bereich fragten – und das ist nun nicht das dort vertretene Genre.

Nein. Fantasy, Sci-Fi und Horror (und den Rest entnehmt einfach der Homepage). Und Lesungen. Ich selbst war zu zweien dort, einmal zu George R.R. Martin. Ja. Bevor er mit GoT berühmt (und allmählich berüchtigt) wurde, saß er im kleinen Otherland und las aus eben genau den Büchern vor. Vor einem sehr kleinen Kreis aus vielleicht 5? 7? genau weiß ich es nicht mehr – Zuhörern. Seitdem besitze ich 3 signierte Bücher von ihm, einmal ‚Armageddon Rag‘ und die ersten zwei der GoT-Reihe. Danach waren wir gemeinsam essen, beim Griechen ‚Z‘ , ein Restaurant, dessen Küche ich sehr empfehlen kann und dessen Ambiente sich seit damals sehr gewandelt hat. Von etwas düster und etwas – nun – rumpelig zu hell und freundlich. Die Küche war damals schon sehr gut 🙂

Zurück zum Otherland. Ja, Namensgeber ist Tad Williams (den hab ich i-wie verpasst). Sir Terry Pratchett (damals noch kein Sir) kam auch zur Lesung, die fand allerdings in der Kirche am Marheinkeplatz statt, da die zu erwartende Zuhörerschaft beim besten Willen keinen Platz im Laden gefunden hätte. Statt zu lesen (‚The 5th Elephant‘ war das damals neue Buch) hat er aus seinem Leben erzählt. Wir erfuhren also, wie Truhe entstand und warum der Bibliothekar der Unsichtbaren Universität ein Orang Utan ist und einges mehr, an das ich mich nun nicht mehr erinnere. Es ist einfach schon ein paar Jahre her. Diese Informationen stehen in der ein oder anderen Art und Weise auch irgendwo in seinen Büchern, möglicherweise auch auf seiner Homepage, da ich nicht so gut erzählen kann wie er, überlasse ich ihm da lieber selbst das Wort.

Als er danach zur Signierstunde einlud, konne man noch ein beinahe resigniertes ‚Uff‘ hören, als sich alle, aber auch alle in der Kirche – oben und unten auf einmal aufmachten und Richtung Tisch strömten. Irgendwo habe ich also auch ein von Terry Pratchett signiertes Buch herumstehen, bei der Menge an Büchern, die ich von ihm habe, weiß ich nicht mehr genau, welches.

Aber die Lesungen sind nicht der Hauptgrund, warum ich hier eigentlich vom Otherland erzählen will. Sondern: erstens liebe ich den Laden einfach deswegen, weil er beinahe um die Ecke meiner Wohnung lag, sich auf meine Lieblingsgenres spezialisiert hat, das ganze nun seit fast 20 Jahren durchhält (2018 werde ich 50 und das Otherland 20), man mit den dort arbeitenden Liebhabern auch prima plaudern kann, über Bücher, Autoren und anderes und ich es ganz ehrlich bemerkenswert finde, dass sie den Laden am Leben halten, obwohl er gerade mal so halbwegs die Betriebskosten einbringt – davon leben könnte keiner der drei Inhaber. Soviel Enthusiasmus gehört gewürdigt.

Also:

Würdigung!

Ich wünsche noch ganz viele Leseenthusiasten, viele interessante Bücher, Lesungen und was ihr sonst noch so alles auf dem Programm habt (na toll, ich ziehe weg und ihr fangt mit lauter neuen, interesanten Angeboten an!) und das George irgendwann noch einmal die letzten zwei Bücher schreibt, damit GoT auch auf dem Papier ein Ende findet. Und ich sie bei euch kaufen kann.

Ich übe derweil weiter das Schreiben von Romanen während des National Novel Writing Month (ein write-in im Otherland – ich glaube, dafür würde ich sogar nach Berlin fahren) und tröste mich anschließend mit dem ein oder anderen Buch.

 

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Otherland

  1. Seinerzeit hat es jeweils ein Jahr gedauert, bis der nächste Otherland-Band in deutscher Sprache erschien.
    Und jedes Mal habe ich, alle vorherigen Bände noch einmal gelesen, bevor ich den neuen in Angriff genommen habe.
    Den Großteil meiner Habe habe ich in Deutschland gelassen, aber Otherland ist mit nach Frankreich gekommen.
    Ich glaub, ich fang nochmal ganz von vorne damit an …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s