#Autorenwahnsinn

Der Autorenwahnsinn geht weiter, diesmal etwas gemächlicher mit einer neuen Aufgabe pro Woche. Über die Aufgabe der letzten Woche musste ich wahrlich ein Weilchen nachdenken und ehe ich es mich versah, war schon wieder Freitag – gestern.

Aufschieberitis hin oder her, heute ist es soweit und ich stelle mich den folgenden Fragen:

fragen

Die Frage im Bild lässt sich derzeit ganz einfach mit: noch eine Tasse Kaffee beantworten, aber um diese Fragen geht es gar nicht.

Sondern:

  • Benutzt du Charakterbögen, um deine Charaktere zu entwickeln?
  • Wann und wie hast du mit dem Schreiben angefangen?

Charakterbögen

Es kursieren zahlreiche im Internet und sicherlich auch in diversen Schreibratgebern, mal sind sie kurz und knapp und mal sind sie umfangreicher, als ich eben für meine eigene Person beantworten könnte, jedenfalls nicht aus dem Stegreif.

Ich benutze selbst keine. Meine Charakterbögen entwickeln sich quasi rückwärts, indem ich mir beim Schreiben Notizen mache zu den Eigenschaften, zum Aussehen und sonstigen Details, die ich der Person zuschreibe, über die ich gerade schreibe. Das Aussehen spielt dabei nur eine kleine Rolle und ist eher skizzenartig beschrieben. Es schafft sich ohnehin jeder Leser sein eigenes Bild von Charakteren, dabei können allzu detaillierte Beschreibungen sogar eher stören. Oder – so geht es mir manchmal  -man vergisst sie wieder und platziert sein eigenes Bild und ist dann ganz überrascht, wenn 100 Seiten später wieder eine Beschreibung derselben Person auftaucht. Ach, so sieht der oder die aus?

Ein Beispiel aus dem letzten Manuskript (NaNo 2016):

Madeleine: Mitschülerin, kräftig, etwas langsam im Lernen, unerschütterliche gute Laune, bewundert Brigittas Zeichnungen, 19 Jahre

Tatsächlich die einzige, die ich so beschrieben habe, bei den anderen steht da noch deutlich weniger (und die Geschichte hat bisher 75 Seiten und ist lange nicht fertig). Das kann auch daran liegen, dass ich im Schreibwahn Beschreibungen einfüge und eine Stunde später nicht mehr daran denke, diese zu übertragen. Aber für mich ist damit das Wesentliche zu Madeleine gesagt. Bei anderen Charakteren stehen auch mal die Eltern dabei, wenn diese eine Rolle spielen (und sei es nur im Hintergrund).

Da ich trotz aller bisher geschriebenen Worte immer noch übe und übe und übe, kann sich das noch verändern, ich tendiere aber eher dazu, meine bisherige Weise beizubehalten und auszubauen. Charakterbögen zu benutzen würde ja auch bedeuten (meinem Verständnis nach) vorher zu wissen, was sein wird, zu planen. Aber außer einem ganz groben Gerüst habe ich selten etwas am Anfang einer neuen Geschichte, wie soll ich da meine Charaktere planen? Die kommen eh vorbei, meist unangekündigt und platzen mitten ins Geschehen, ich bin dann schon froh, wenn sie sich wenigstens vorstellen.

Da hatte ich bisher meistens Glück, nur in ‚The walking Cities‘ gab es gen Ende hin diverse Techniker, die dann als Tech 1 – 5 durch die Geschichte liefen (und bis heute laufen). Es war eine etwas stressige Situation in der Geschichte, da blieb einfach keine Zeit für Höflichkeiten. Einen vor 300 Jahren erstellten Evakuierungsplan, den alle für obsolet gehalten hatten, binnen kürzester Zeit an die aktuelle Situation anzupassen, ist eben wichtiger, als Namen auszutauschen. Vor allem dann, wenn nicht einmal sicher ist, wieviel Zeit tatsächlich bleibt…

Wann und wie hast du mit dem Schreiben angefangen?

Wenn ich das nun noch so ganz genau wüsste… Ich weiß jedenfalls sicher, dass ich lange Zeit Tagebuch geschrieben habe. Ob ich mich vorher bereits am Formulieren von Geschichten aus reinem Spaß an der Sache versucht habe, weiß ich einfach nicht mehr. Meine alten Tagebücher sind irgendwann mal den Weg vieler Tagebücher gegangen, bei den ersten, die im wesentlichen Beschreibungen dessen enthielten, was ich den ganzen Tag so gemacht habe, was es zu essen gab und ähnliches (ich war 10) bedauere ich es nicht, bei denen aus der Zeit in den USA schon eher. Aber nun, weg ist weg. Ich weiß aber noch, wie meine ersten Tagebücher aussahen, nämlich so:

Quelle

(Wie gesagt, ich war 10. Es gibt diese Bücher immer noch, unter der Quelle auch zu finden, aber ich konnte mich doch beherrschen, mir aus rein nostalgischen Gründen eins zu bestellen.)

Später wurden es die als China-Kladde bezeichneten, schwarzen Bücher mit den roten Ecken und noch später Buchkalender und heute ist mir das Äußere beinahe egal, hauptsache blanco.

Ich erinnere mich daran, mal eine sehr düstere (und kurze) Geschichte geschrieben zu haben, nach dem ich damals in der GEO einen Artikel über wahlweise die Auswirkungen eines Atomkrieges (80er Jahre eben) oder darüber, was passiert, wenn unsere Sonne mal aufgebraucht ist. Sowei ich mich erinnere, wollte man also einen Schutzschild um die Erde errichten, der ziemlich teuer war und irgendwer ist mit dem Geld durchgebrannt, damit war dann das Ende der Erde besiegelt. Nicht sehr einfallsreicher Plot, ich gebe es ja zu, aber da kann ich nicht viel älter als 12 oder 13 gewesen sein. Und war von der allgemeinen düsteren Stimmung angesteckt. No future.

In meinen Tagebüchern aus den USA steckten nebst dem Tagesgeschehen auch zahlreiche Wunschfantasiegeschichten, deren Nicht-Veröffentlichung ich absolut nicht bedaure. Teenager eben. Melodramatisch, ohja. Es folgte eine schriftstellerische Pause, lediglich das Schreiben von Tagebüchern setzte sich lange fort. Und den Urlaubsberichten. Auch meist gefüllt von: und dann fuhren wir dorthin und taten dies. Und zum Nachtisch gab es Eis.

Zwei Fanfictions kann ich verbuchen, zu *hüstel* ‚Kampfstern Galactica‘ und zu ‚Blade Runner‘. Habe ich aber auch nicht mehr.

Mit 14 (1982) verarbeitete ich meine alleinige Bahnfahrt von Bornum nach Hamburg (Interview zum Schüleraustausch in den USA) in einem Gedicht, das hat zumindest meine Mutter noch irgendwo. Glaube ich. Bin damals im Hamburg übrigens an dem Fahrkartenautomaten der U-Bahn gescheitert und nach einem Blick auf dem Plan dann beschlossen: sind ja nur 3 Stationen, das kann ich auch zu Fuß gehen. Nicht ahnend – woher auch – dass ein U-Bahnplan nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun hat, was die Entfernungen angeht… Aber ich habe es pünktlich, nach 1 oder 1 1/2 Stunden, wenn auch etwas fußlahm geschafft, am richtigen Ort anzukommen.

Wirklich ‚ernsthaft‘ hat es mich spät erwischt, beim NaNoWriMo 2004 (ja, auch ich wollte immer einen Roman schreiben). Eine Mischung aus Biographischem und Ausgedachtem und de facto eine Aufarbeitung einer langjährigen Beziehung. Sehr viel persönliches, aber auch viele erste Schritte Richtung: was zum Teufel ist eigentlich noch in einer Geschichte und was macht sie spannend? Wie bereits andernorts erwähnt, ein klares Beispiel für: wie mache ich es nicht! Aber aus Fehlern kann man lernen.

Wichtiges Fazit: meiner Fantasie setze ich beim Schreiben nur selber Grenzen, das Überschreiten dieser kann ich aber üben. Einfach – schreiben.

Seitdem ich selber schreibe und mir Gedanken mache über Plots, Charaktere usw. lese ich auch kritischer. Auch das sagte ich bereits. Ich bin jedenfalls gespannt, was mir im April, dem ersten NaNo-Camp des Jahres 2017, die Zeit vertreiben wird, bisher stehe ich ohne eine einzige Idee da. Was aber auch nichts neues ist.

Die Frage war: wann und wie hast du angefangen? und meine zusammenfassende Antwort ist derzeit: ich fange immer wieder neu an. Weil immer neue Bereiche des Schreibens eine Rolle spielen. Die Stimmen der Charaktere zum Beispiel. Ihnen mit ihren Worten, ihren Aussagen und Gedanken eine Unverwechselbarkeit einzuhauchen. Nicht so einfach. Ich bleibe dran 😉

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Ein Kommentar zu “#Autorenwahnsinn

  1. Hat gerade richtig Spaß gemacht zu lesen 🙂
    *hüstel* kann ich bestätigen, ich habe mal Geschichten um Mr Spock geschrieben, die aber im Altpapier gelandet sind, weil ich sie damals schon ganz furchtbar fand 😀

    Gefällt 1 Person

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