Masken im Alltag

In meinem Auto liegt eine Kassette der Band ‚Vogelsang‘, die ich – puh – 1988, glaube ich, während eines Konzerts eben dieser Band auf dem 1. Mai Fest in Berlin erstand. Der Heimweg dauerte deutlich länger als geplant, da kurz nach dem Konzert der längere Zeit typische Krawall in Kreuzberg 36 ausbrach und einfach alles ziemlich hermetisch abgeriegelt war. Was sonst noch an diesem Abend geschah, ist nicht Teil dieses Beitrags.

DSCI1132

Nach meiner Ausbildung zur Kunsttherapeutin 2011 (das war wirklich ein ziemlich volles Jahr!) legte ich mir ein paar Bücher mit Anregungen zu, die aber nie zur Anwendung kamen, da meine Angebote im Bereich Kunst bislang nicht angenommen wurden.

Vor Antritt meiner neuen Stelle im März diesen Jahres hatte ich noch ca. 10 Tage frei und beschloss, mir diese Bücher noch einmal vorzunehmen, ich wollte mir ein paar Anregungen holen für meine Arbeit mit den Jugendlichen und stieß dabei in ‚Kunsttherapie aus der Praxis für die Praxis‘ von Leutkart, Wieland und Wirtensohn-Baader (Hrsg.) auf das Bauen von Masken. Meiner Ansicht nach passt so eine Maske prima zum Thema Berufsorientierung, nämlich unter dem Aspekt: ‚Wer möchte ich sein? betrachtet.

Es empfiehlt sich immer, solche aufwendigen Arbeiten vorher selbst wenigstens einmal ausprobiert zu haben, abgesehen davon hat mich diese Arbeit völlig fasziniert. Und außerdem wollte ich tief im Innern immer schon einmal eine Maske machen. Ist noch ein Wunsch aus Kindheitstagen. Von den drei angebotenen Varianten suchte ich mir die aufwendigste aus, das Projekt entstand in 3 Abschnitten.

Zuerst, eher unspektakulär, gilt es eine Grundform zu schaffen, auf die die Maske aufgebaut werden kann.

DSCI1081

Dazu knüllt man solange Zeitungspapier zusammen, bis ein eiförmiges Etwas in der gewünschten Größe entstanden ist. Diese Größe sollte in etwa kopfgroß sein, schließlich soll es eine Maske zum aufsetzen werden.

Es empfiehlt sich, das Ganze dann mit Klebefolie zu umwickeln, damit lässt es sich bei Bedarf wiederverwenden.

 

Die Maske wird aus Ton aufgebaut und dieser geht mit Zeitungspapier eine ziemlich unlösbare Verbindung ein, jedenfalls bei dieser Herstellungsweise.

 

An diesem Punkt hörte ich am ersten Abend auf, bis dahin waren ungefähr 2 Stunden vergangen.

Am nächsten Tag sah das Ganze dann so aus, von Casper zuerst kritisch beäugt, aber kuscheln kann man ja trotzdem damit. Sobald die Maske ihre endgültige Form bekommen hat, wird sie möglichst sorgfältig und lückenlos mit Frischhaltefolie umwickelt. Warum? Nun, eine Halbmaske aus Ton vor dem Gesicht zu haben, würde in den meisten Fällen dafür sorgen, dass man lediglich gebückt gehen kann und vermutlich nach einer Weile einen ziemlich verspannten Nacken hat – die endgültige Maske ist aus Papiermaché. Um diese dann vom Ton ablösen zu können, braucht es eine Trennschicht, dem Ton ist es egal, ob er sich mit dem Zeitungspapier der Unterlage oder dem Papier der oberen Lage verbindet.

Zwischen diesen beiden Bildern liegt ungefähr eine Woche, ich konnte die Papiermaske nach ungefähr 2 Tagen von der Tonunterlage lösen, dann hieß es ab an die Heizung (es war Februar!) und trocknen. Im Buch wird der Trockenvorgang mit einer Heißluftpistole beschleunigt, da wurde die Maske allerdings im Rahmen eines 4-tägigen Workshops gebaut. Die Stoffstreifen habe ich mit eingeklebt (Tapetenkleister mit Holzleim vermischt), um am Ende, wenn die – ich nenne es mal Kapuze – angenäht wird, eine bessere Haltbarkeit zu erzielen.

Zum wieder sehr kreativen Teil der Bemalung lege man sich passende Musik auf, bei mir lief in der Zeit die CD ‚Revolution Radio von  Green Day ziemlich pausenlos.

2 Bilder von der ersten Anprobe – unscharf weil ich eben einfach nichts gesehen habe.. bin ja schon froh, dass ich beim zweiten Anlauf den Spiegel erwischen konnte 😉

Wie unschwer zu erkennen ist, sind der Maskengestaltung sowohl in Form als auch Farbe nur durch die eigenen Fähigkeiten Grenzen gesetzt.

Fazit: durchaus geeignet, auch für Jugendliche, ich würde das als einzelne Workshoptage in einen Zeitraum von 2 Wochen machen, damit die Maske auch ohne HLP durchtrocknen kann. Der Ton kann anschließend wiederverwendet werden, ist also eine einmalige Anschaffung eines 10 kg Tonpaketes, das für 3 Masken ausreichen kann. Papier sollte nicht problematisch zu beschaffen sein, der Verbrauch an Farbe ist gering und sowohl das Formen als auch das Bemalen machen wirklich Spaß!

Mein Ansatz war es, eine Maske zu gestalten, um es einfach einmal gemacht zu haben (mit viel Spaß an der Sache, außer beim Warten auf das Trocknen..) , ohne therapeutischen Ansatz. Die Möglichkeiten sind natürlich groß, aber das ist wieder ein anderes Thema 🙂

Advertisements

Ein Kommentar zu “Masken im Alltag

  1. Ein sehr interessanter Beitrag – macht mich echt neugierig und wer weiß, vielleicht probiere ich es auch mal aus 🙂
    Caspers Ansichten sind auch klasse 😀

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s